Stadt, Bank, Schluss

ds-bankAls Omin die Mitteilung auf dem Kontoauszug las, dass der Kassenschalter ihrer Bankfiliale geschlossen wurde, war sie nicht alarmiert. In Zukunft mussten Abhebungen von größeren Geldbeträgen zehn Tage im Voraus angemeldet und per Bankkarte aus dem Automaten abgeholt werden. Kein Problem, dachte sie. Dann verkaufte ihr Nachbar seine Moto Guzzi mit Beiwagen aus den 30iger Jahren. Sie hatte schon länger auf den Oldtimer spekuliert. Da der alte Herr nur Bargeld akzeptierte, ging Omin zu ihrer Bank und erkannte das Problem.

Etwa 20 Personen standen in der rappelvollen Bankfiliale vor zwei erhöhten Schreibtischen Schlange. Jedes Wort, das die weiblichen Angestellten mit ihren Kunden wechselten, war laut und deutlich im Raum zu verstehen:

»Herr Müller, wenn ihr Konto keine Deckung aufweist, geht die Lastschrift zurück. Das kommt bei Pfändungen häufig vor.«

Eine der beiden Bankmitarbeiterinnen begleitete einen Rentner an den Geldautomaten und assistierte ihm minutenlang. Die Warteschlange rückte noch langsamer voran. Schließlich kam Omin an der Reihe und brachte, um Diskretion bemüht, ihr Anliegen im Flüsterton hervor. Das schrille Organ der Bankangestellten machte ihre Bemühung zunichte.

»Was wollen Sie denn mit dem Geld?«

»Können Sie keine Überweisung tätigen, das ist uns nämlich lieber.«

»In 10 Tagen ist der Erste. Da ist es schlecht, eine größere Summe abzuheben«

»Dann kommen sie am Dritten«

Als Omin am gewünschten Tag in der Bankfiliale erschien, war die Warteschlange vor den Schreibtischen kürzer. Allerdings konnte sie ihr Anliegen erst vorbringen, nachdem der Schwager der Bankangestellten seinen dicken Kopf wieder aus ihrem Blickfeld entfernt hatte. Er hatte sich ungeniert vor sie gedrängelt, dümmlich gegrinst und ausgiebig über die Speisefolge des geplanten Sonntagsessens berichtet. Der Mitarbeiterin der Bank kam nicht in dem Sinn, das Privatgespräch zu unterbinden. Sie entschied sich für Knödel statt Bratkartoffeln. Als sie ihre Aufmerksamkeit endlich Omin zuwandte, verkündet sie ohne Bedauern:

»So viel Geld haben wir nicht im Automaten.«

»Da war heute Morgen wohl schon jemand vor Ihnen da.«

»Eine Bestellung ist schließlich keine Garantie.«

»Das ist nicht unsere Schuld.«

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