Erstausstrahlung und andere Visionen

Omin klemmte die Mappe mit der Presseerklärung unter den Arm und eilte neben Dr. Sommergran zur Pressekonferenz. Sie hatte den Saal nach strengen Anweisungen vorbereitet, Laptop und Beamer selbst überprüft. Die Präsentation enthielt keinerlei Animationen. Der Vorstandsvorsitzende der Haksa-Versicherungsgruppe hasste es, wenn einfliegende oder rotierende Bildchen und blinkenden Pfeile von seinen Vorträgen ablenkten. Was er zu sagen hatte, war zu gehaltvoll, um von debilen Softwaregadgets abgeschwächt zu werden. Der Umgang mit Dr. Sommergran bedeutete für seine Mitarbeiter einen Drahtseilakt. Als Pressesprecherin des Versicherungsgiganten hatte Omin so manche Klippe umschifft. Schon rein sprachlich stellte ihr Job eine Herausforderung dar, denn Anglizismen untersagte der Konzernchefs ebenfalls; und zwar nicht nur in seiner Gegenwart. Neu-deutsche Wortkreationen duldete in keinerlei öffentlichen Verlautbarungen. Der unternehmerische Auftrag der Haksa-Versicherung durfte keinesfalls als Unternehmensmission betitelt werden. Und Gott bewahre Dr. Sommergran vor der Publikation einer Unternehmensvision. Eine Vision nämlich bezeichnet laut Duden eine religiöse Erscheinung und gehört mitnichten in die Geschäftswelt eines weltweit agierenden Konzerns. Die Vertreter der Presse erhielten genaueste Instruktionen. Sie warteten hinter der schweren Eichentür des Konferenzsaals, auf die Omin im Gefolge der Vorstandsvorsitzenden zusteuerte. Sie konnte nur beten, dass sich alle Journalisten an die Spielregeln hielten, die sie ausgegeben hatte. Ihre Hoffnung starb, als sie einen Reporter erblickte, der mit einem Kameramann auf sie zutrat, statt im Saal zu warten. Omin blinzelte nervös und fürchtete für einen Moment selbst, einer Erscheinung zu erliegen. Doch der Mann, der sich jetzt vor ihr aufbaute, war leider keine Fata Morgana. Sie kannte ihn. Vor ihr stand Gack. Sie hatte sich zuletzt in Rom gesehen. Genauer gesagt, hatte sie ihn in einem Hotel nahe der Spanischen Treppe sitzen gelassen. Sie war aus der Stadt, aus dem gemeinsamen Zimmer und seinem Leben verschwunden. Zugegeben dieses Ereignis gehörte zu einer weniger guten Lebensphase. Ihr langjähriger Verlobter hatte sie verlassen. Sie hatte sich bei Gack ausgeheult, der schon seit der Schulzeit in sie verliebt gewesen war, und flog kurzentschlossen mit ihm während der Semesterferien nach Rom. Das Ablenkungsmanöver war von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Im Prinzip hatte sie die gesamte Reise über nur geheult und ihren Frust an Gack ausgelassen. Er ging ihr tierisch auf die Nerven. Egal was er sagte, tat oder eben nicht sagte oder tat, brachte sie zur Weisglut. Er lieh das falsche Auto (viel zu gelb), wählte das falsche Hotel (viel zu teuer) und hatte zu gute Laune (obwohl das Wetter beschissen war). Es war der berühmte Wassertropfen, der das sprichwörtliche Fass überlaufen lies. Jedes Mal, wenn dieser Vollidiot duschte, überschwemmte er das komplette Bad. Sie hatte ihn gewarnt.

»Ich bringe Dich um, falls der Boden wieder nass ist« hatte sie an dem letzten gemeinsamen Nachmittag gedroht, als sie auf Strümpfen das Bad betrat. Sekunden später setzte sie ihn wutentbrannt vor die Tür. Während Gack wahrscheinlich an der Piazza D´Espagna einen Cappuccino trank und auf bessere Stimmung hoffte, tobte sie hysterisch durchs Hotelzimmer. Sie hatte die Schnauze endgültig voll. Sie warf die durchnässten Socken zusammen mit ihren übrigen Klamotten in den Koffer und flog nach Hause.

Gack war also tatsächlich Journalist geworden. Sie blinzelte in die Kamera. Natürlich, hatte er versucht, sie telefonisch zu erreichen. Aber sie tat ihm nicht den Gefallen, seine Anrufe zu beantworten. Das war vor acht Jahren.

Blut, Trost & Spender

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Gack bricht schon in Gedanken an eine Blutabnahme der Schweiß aus. Aber es ist an der Zeit für einen Liebesbeweis. Omin ist nach Jahren wieder in ihren alten Beruf eingestiegen und nimmt Blut ab. Es werden passende Knochenmarkspender gesucht. Also geht auch Gack zu Typisierung. Omin arbeitet mit ihren Kollegen und Kolleginnen im Akkord. Es ist der reinste Blutspendemarathon. Im Zelt des deutschen, roten Kreuz stehen zehn Liegen bereit. Vor jeder Pritsche stehen mögliche Knochenmarkspender zur Blutabnahme Schlange. Gack stellt sich in die Reihe vor Omins Liege und rückt langsam aber unaufhaltsam in ihre Richtung vor. Ihm perlt bereits der Angstschweiß von der Stirn. Als er vor ihr steht und sie aufblickt, handelt Omin sofort. Sie hilft Gack, der einer Ohnmacht nahe ist, auf die Liegefläche. Sie streichelt ihm zärtlich über die Stirn, trocknet seinen Schweiß und hält seine Hand während der gesamten Zeit, in der sich das Röhrchen mit Blut füllt. Als seine Heldentat glücklich überstanden ist, küsst sie ihn mehrfach und liebevoll. Die anderen Spender staunen neidisch und reagieren schnell. Schlagartig wächst die Schlange vor Omins Liege überproportional an. Plötzlich wollen die Wartenden nur noch zu ihr.

Rock, Star & Caruso

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Omin arbeitete in den Semesterferien als Flugbegleiterin. Leider war nach drei Beschwerden humorloser Fluggäste, die jeweils zu einer Abmahnungen führten, Schluss mit dem Aushilfsjob.

Erste Abmahnung:

Flug LH 400 von Frankfurt nach New York. Vor dem Start wird Omin von einem Fluggast in der First Class angesprochen. Der Yuppie mit Einstecktuch und Pomadenfrisur fragt grinsend: »Eye, Püppi, wann fliegt denn die Affenkiste los.« Omin antwortet: »Wenn alle Affen sitzen.«

Zweite Abmahnung:

Flug LH 6339 von Wien nach Frankfurt. Eine ältere Dame mit lila-blauem Haar in Reihe 37 verlangt: »I hat gern oa Fruchtwasserl.« Daraufhin fragt Omin: »Darf ich ein Stück Mutterkuchen dazu reichen?«

Die dritte Abmahnung:

Flug LH 20144 von München nach Berlin. Der alternde Rockstar prahlt: »Na, Schätzchen, triffst Du oft berühmte Musiker?« Omin bleibt gelassen: »Jeden Abend, mein Vater ist Musiker!« Der Star reagiert verblüfft. »Tatsächlich. Kennt man den? Wie heißt Du mit Nachnamen, Schätzchen?« Blöde Frage denkt sie, denn der Name steht fett auf ihrem Namensschild. Omin antwortet spitz: »Caruso, Omin Caruso.«

Vater, Mutter, Jugendamt

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Die Autos parkten kreuz und quer. Es gab kein Durchkommen in der engen Gasse. Zum Glück reagierten die Nachbarn entspannt, ihre Kinder waren selbst auf dem Geburtstag der neunjährigen Lena und das Chaos von kurzer Dauer. Sobald die Eltern von außerhalb ihre Kinder abgesetzt hatten, wäre die Straße wieder frei. Der Kindergeburtstag war in vollem Gange, als es an der Tür klingelte. Die Erwachsenen unterhielten sich im Garten, die Kinder tobten im ersten Stock. Der sechsjährige Max öffnete die Tür und erblickte einen Mann und eine Frau in Uniform. Ein Nachbar hatte nicht entspannt reagiert.

»Guten Tag, wir sind vom Ordnungsamt«, erklärte der männliche Beamte freundlich und fragte: »Sind Dein Vater oder Deine Mutter zu sprechen?

Der kleine Max antwortete prompt.»Mein Papa ist tot.«

Die Beamten schwiegen einen Moment betreten, dann fragte die weibliche Beamtin zaghaft: »Und deine Mama?«

Max drehte sich um und brüllte Richtung Garten: »Mama, das Jugendamt ist da.« Mama wunderte sich.  Lena rief erschrocken von oben: »Holen die uns jetzt ab?«

Mama beruhigte sie gelassen: »Nein, ich habe Euch schließlich jeden Tag gekocht.«

Als sie mit den Eltern und sämtlichen Kindern zeitgleich in den Flur stürmte, blickte sie in die unbehaglichen Mienen der beiden Beamten. Sie entschuldigten sich für die Störung, wünschten einen schönen Kindergeburtstag und verabschiedeten sich eilig. Autos parkten sowieso keine mehr auf der Strasse.

Stadt, Bank, Schluss

ds-bankAls Omin die Mitteilung auf dem Kontoauszug las, dass der Kassenschalter ihrer Bankfiliale geschlossen wurde, war sie nicht alarmiert. In Zukunft mussten Abhebungen von größeren Geldbeträgen zehn Tage im Voraus angemeldet und per Bankkarte aus dem Automaten abgeholt werden. Kein Problem, dachte sie. Dann verkaufte ihr Nachbar seine Moto Guzzi mit Beiwagen aus den 30iger Jahren. Sie hatte schon länger auf den Oldtimer spekuliert. Da der alte Herr nur Bargeld akzeptierte, ging Omin zu ihrer Bank und erkannte das Problem.

Etwa 20 Personen standen in der rappelvollen Bankfiliale vor zwei erhöhten Schreibtischen Schlange. Jedes Wort, das die weiblichen Angestellten mit ihren Kunden wechselten, war laut und deutlich im Raum zu verstehen:

»Herr Müller, wenn ihr Konto keine Deckung aufweist, geht die Lastschrift zurück. Das kommt bei Pfändungen häufig vor.«

Eine der beiden Bankmitarbeiterinnen begleitete einen Rentner an den Geldautomaten und assistierte ihm minutenlang. Die Warteschlange rückte noch langsamer voran. Schließlich kam Omin an der Reihe und brachte, um Diskretion bemüht, ihr Anliegen im Flüsterton hervor. Das schrille Organ der Bankangestellten machte ihre Bemühung zunichte.

»Was wollen Sie denn mit dem Geld?«

»Können Sie keine Überweisung tätigen, das ist uns nämlich lieber.«

»In 10 Tagen ist der Erste. Da ist es schlecht, eine größere Summe abzuheben«

»Dann kommen sie am Dritten«

Als Omin am gewünschten Tag in der Bankfiliale erschien, war die Warteschlange vor den Schreibtischen kürzer. Allerdings konnte sie ihr Anliegen erst vorbringen, nachdem der Schwager der Bankangestellten seinen dicken Kopf wieder aus ihrem Blickfeld entfernt hatte. Er hatte sich ungeniert vor sie gedrängelt, dümmlich gegrinst und ausgiebig über die Speisefolge des geplanten Sonntagsessens berichtet. Der Mitarbeiterin der Bank kam nicht in dem Sinn, das Privatgespräch zu unterbinden. Sie entschied sich für Knödel statt Bratkartoffeln. Als sie ihre Aufmerksamkeit endlich Omin zuwandte, verkündet sie ohne Bedauern:

»So viel Geld haben wir nicht im Automaten.«

»Da war heute Morgen wohl schon jemand vor Ihnen da.«

»Eine Bestellung ist schließlich keine Garantie.«

»Das ist nicht unsere Schuld.«

Dies net und das auch net – hessische Mülltrennung

Neulich in einem hessischen Treppenhaus:

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Für alle, die kein Hessisch verstehen, hier die Übersetzung:

Bitte nur Papiermüll einwerfen. Für Glas und Restmüll bitte die vorgesehenen Behälter benutzen.

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Pan Tau lebt

Freitag vor der #Glotze. Es läuft #Gefragt-Gejagt. Gack und Omin raten wie immer begeistert mit. Folgende #Quizfrage gilt es zu beantworten: „Wer wurde auf 10.000 Metern Höhe aus einem Passagierflugzeug beobachtet.?“ Noch bevor die Antworten (irgendein Geier, ein Adler und eine weitere Vogelart) eingeblendet sind, ruft Gack begeistert: #Pan Tau! Dabei tippt er sich dreimal auf den imaginären Hut und läßt seine Hand vor und wieder zurück vor seinem Gesicht über die ebenso imaginäre Hutkrempe streichen. Die Antwort ist richtig, wie jeder #Pan Tau-Fan weiß. Ob sie vom #Quizgott anerkannt worden wäre, wenn es keine Antworten zur Auswahl gegeben hätte?